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Wie unabhängig ist das Mulier Instituut, wenn es um Schwimmsicherheit geht?

Von Shiva de Winter · 14. April 2022

Ursprünglich auf LinkedIn veröffentlicht am 14. April 2022 · von Shiva de Winter, De WaterExpert.

Das Parlament stützt sein Wissen und seine Kompetenz im Bereich Schwimmsicherheit auf die Ergebnisse „unabhängiger“ Untersuchungen, die das Mulier Instituut durchführt. Doch wie unabhängig ist dieses Institut wirklich – und wie stark sind die Interessen seiner Verantwortlichen miteinander verflochten?

Das Mulier Instituut führt im Auftrag Dritter Untersuchungen zu unterschiedlichen Themen durch. So hat es sich mehrfach mit der Schwimmbadbranche und deren Schwimmsicherheit befasst. Ein Beispiel dafür sind die finanziellen Auswirkungen von Covid-19 auf die Schwimmbadbranche. Die Regierung ging zunächst von den Berechnungen des Mulier Instituut aus. Diese Untersuchung wurde im Auftrag des Ministeriums für Gesundheit, Wohlfahrt und Sport (VWS) durchgeführt. Auf Drängen der Vereniging Sport en Gemeenten (VSG) und der Nationale Raad Zwemveiligheid (NRZ) beschränkte man sie auf die kommunalen Schwimmbäder und kommunale Immobilien. Genau diese kommunalen Bäder wurden jedoch in vielen Fällen von kommerziellen und börsennotierten Betreibern bewirtschaftet.

Die Berechnungen ergaben für den ersten Zeitraum einen Schaden von rund 180 Millionen Euro. Auf dieser Grundlage entstand das Hilfspaket Specifieke Uitkering IJsbanen en Zwembaden (SPUKIJZ). Die 180 Millionen reichten für die Branche, die auch viele kommerzielle Akteure umfasste, bei Weitem nicht aus. Die kommerziellen Schwimmbäder durften diese Mittel gar nicht in Anspruch nehmen. Die VSG verwies die Betroffenen auf die bestehenden Hilfspakete unter dem Stichwort Mittelstand (MKB). Für die kommerziellen Bäder waren diese Pakete völlig unzureichend. Für die öffentlichen Bäder hingegen kamen sie als zusätzliche finanzielle Unterstützung zu den ohnehin schon bezogenen Fördergeldern hinzu.

Kommen wir zur NRZ: Über die Handelskammer öffnet sich eine ganze Tür voller Informationen. So werden dort Vorstandsmitglieder sichtbar, die auf der Website gar nicht genannt werden, und man findet mehrere „Doppelrollen“. Heute im Fokus: der Vorsitzende der NRZ, Johannes (Jan) Rijpstra. In seiner Hauptfunktion bekleidet Herr Rijpstra das Amt des Bürgermeisters der Gemeinde Smallingerland. Zur Gemeinde Smallingerland gehören zahlreiche Orte, darunter Drachten.

Die Gemeinde Smallingerland ist schon seit geraumer Zeit mit der Planung und dem Bau eines neuen Schwimmbads beschäftigt. Das Zwemcentrum de Welle soll ein grünes, nachhaltiges Zentrum werden – mit dem Ziel, gemeinsam mit dem Koninklijke Nederlandse Zwembond (KNZB) als Standort für Spitzensport und Talentförderung im Norden zu fungieren. Für dieses Projekt hat die Provinz einen zusätzlichen Zuschuss von 10 Millionen Euro bereitgestellt. Die Gesamtkosten werden auf gut 20 Millionen Euro veranschlagt. Bemerkenswert ist schon, dass man in den meisten großen Städten beim Schwimmbadbau den Rotstift ansetzen muss, während hier alle Register gezogen werden.

Ob die Nebentätigkeit des Bürgermeisters dabei eine Rolle spielt? Auffällig ist jedenfalls, dass zwei Vorstandsmitglieder des KNZB auch im Vorstand der NRZ sitzen. Kurze Wege lassen sich hier sehr leicht herstellen.

Und dann die weitere Funktion von Jan Rijpstra: Neben seinem Amt als Vorsitzender der Nationale Raad Zwemveiligheid ist er auch Mitglied des Aufsichtsrats beim Mulier Instituut. Und ausgerechnet dieses Institut ist es, das allerlei Untersuchungen für das Ministerium VWS durchführt – dort, wo die großen Entscheidungen fallen! Wer die vergangene Corona-Zeit analysiert, stellt fest: Es waren vor allem die großen Verbände und Interessenorganisationen (subventioniert vom Ministerium VWS unter Federführung der VSG), die versagten, wenn es um echte Schwimmsicherheit ging. Große Worte, viele Zoom-Sitzungen in nachgeordneten Gesprächsrunden – doch die Entscheidungen wurden am Schreibtisch getroffen.

Die Schwimmsicherheit der Niederlande wird derzeit vor allem von Menschen bestimmt, die – wie gesagt – andere Interessen zu verfolgen scheinen als jene, für die Verbände und Interessenvereinigungen eigentlich gedacht sind. Wird es nicht Zeit, dass Den Haag die Augen öffnet und einmal denen ein offenes Ohr schenkt, die tatsächlich am Beckenrand stehen? Schwimmsicherheit ist eine Sache von uns allen und für uns alle – und dazu müssen wir alle unseren Teil beitragen. Um das zu erreichen, müssen ein paar heilige Kühe geschlachtet werden. Ich würde beim Vorsitzenden anfangen.

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