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Schulschwimmen: Ein unerreichbarer Traum oder ein realistischer Plan?

Von Shiva de Winter · 11. März 2025

Ursprünglich auf LinkedIn veröffentlicht am 11. März 2025 · von Shiva de Winter, De WaterExpert.

Pepijn Keppel setzt sich in seiner Kolumne vom 7. März in der Zeitung Trouw für die Wiedereinführung des verpflichtenden Schulschwimmens ein. Sein Argument, dass steigende Kosten für den Schwimmunterricht und schließende Schwimmbäder zu einer Zunahme von Ertrinkungsfällen beitragen und dass Schulschwimmen die Lösung sei, klingt schlüssig. Doch es greift auch zu kurz. Dabei wird die Realität des heutigen Bildungssystems außer Acht gelassen, in dem der Druck auf die Grundschulen bereits enorm hoch ist und zusätzliche Verpflichtungen eine Illusion sind.

📚 Bildungsrealität versus Wunschdenken

Die heutige Grundschule ist voll von Pflichtfächern wie Rechnen, Sprache und Gemeinschaftskunde. Für diese Fächer ist eine feste Stundenzahl vorgegeben, die die Schulen erfüllen müssen – und schon darüber wird angesichts von Lehrkräftemangel und knapper Unterrichtszeit heftig gerungen. Schulschwimmen bedeutet nicht nur zusätzliche Unterrichtszeit, sondern auch Fahrzeit, Umkleidezeit und praktische Organisation. Das kann sich auf 100 bis 180 Stunden pro Schuljahr summieren. Diese Zeit muss irgendwoher kommen – und das bedeutet eine Kürzung wesentlicher Fächer, in denen viele Kinder ohnehin schon Rückstände haben.

🔍 Das Problem des klassischen Ansatzes

Der klassische Ansatz des Schulschwimmens setzt voraus, dass die Schülerinnen und Schüler als Gruppe zum Schwimmbad gehen, sich umziehen, eine Schwimmstunde absolvieren und zur Schule zurückkehren. Für die Schulen ist das ein logistischer Albtraum, und zudem macht es die Schwimmzeit ineffizient. Schwimmunterricht muss effektiv und zielgerichtet sein. Hinzu kommt, dass verschiedene Studien zeigen: Kinder profitieren erst wirklich vom Schwimmunterricht, wenn er häufiger stattfindet als die traditionellen wöchentlichen oder vierzehntägigen Stunden des Schulschwimmens.

🏊 Die benötigte Stundenzahl für ein Schwimmabzeichen

Untersuchungen zeigen, dass der Erwerb eines Schwimmabzeichens eine beträchtliche Stundenzahl erfordert. Im Durchschnitt dauert der Erwerb des A-Diploms 51 Zeitstunden, was 68 Unterrichtseinheiten von je 45 Minuten entspricht. Der Erwerb des vollständigen ABC-Diploms kostet durchschnittlich 84 Zeitstunden, also 112 Unterrichtseinheiten von je 45 Minuten.

Bietet man Schulschwimmen nur einmal pro Woche an, so bedeutet das, dass ein Kind fast zwei Schuljahre braucht, um allein das A-Diplom zu erwerben – denn ein Schuljahr zählt lediglich 41 Unterrichtswochen. Ganz zu schweigen davon, dass die Schulferien die Kontinuität immer wieder unterbrechen. Um ausreichend Wirkung zu erzielen, müsste ein Kind eigentlich zweimal pro Woche schwimmen. Für das vollständige ABC-Diplom müsste ein Kind über mehrere Schuljahre hinweg am Schulschwimmen teilnehmen. Das ist im heutigen Bildungssystem schlichtweg nicht machbar.

Zeitverlust und Auswirkungen auf den Unterricht

Zudem geht rund um die Schwimmstunden viel Zeit verloren. Rechnet man mit einer Unterrichtszeit von 45 Minuten, einer Umkleidezeit von zweimal fünfzehn Minuten und einer Fahrzeit von zweimal zehn Minuten, so kostet eine einzige Schwimmstunde insgesamt 95 Minuten. Dieser Zeitverlust geht direkt zulasten anderer Fächer in der Grundschule.

Schwimmurlaub als machbare Alternative

Die Nederlandse Stichting Water- & Zwemveiligheid (NSWZ) möchte auch der Grundschule beim Thema Schulschwimmen eine Stimme geben und verschickt daher diese Woche eine Umfrage an 7.000 Grundschulen. Diese Untersuchung soll deutlich machen, welche Auswirkungen Schulschwimmen auf den regulären Unterricht hätte. Die Ergebnisse werden mit der Zweiten Kammer geteilt und können in die Entscheidungsfindung einfließen oder als Ausgangspunkt für eine weiterführende Untersuchung seitens der Regierung dienen. Darüber hinaus plädiert die NSWZ schon seit Längerem für eine Alternative: den Schwimmurlaub. Eltern erhalten die Möglichkeit, ihre Kinder wöchentlich während der Schulzeit am Schwimmunterricht teilnehmen zu lassen, ohne dass dies zulasten des Lehrplans geht.

👶 Warum der Schwimmurlaub für junge Kinder funktioniert

Der Schwimmurlaub würde für Kinder der Gruppen 1 und 2 gelten, bei einem Einstiegsalter für den Schwimmunterricht von 4 Jahren (Gruppe 1) und 5 Jahren (Gruppe 2). Diese jungen Kinder sind noch nicht in der Lage, sich vor und nach dem Schwimmunterricht selbstständig umzuziehen, was bedeutet, dass sie stets Begleitung benötigen. Das macht es praktisch einfacher, Schwimmurlaub zu gewähren, da die Vorschulklassen über einen flexibleren Tagesablauf verfügen und Unterrichtsausfall sich weniger negativ auf die Lernentwicklung auswirkt.

Ab Gruppe 3 (Alter 6–7 Jahre) werden die Kinder selbstständig genug, um sich allein umzuziehen, doch die Begleitung zum Schwimmbad bleibt weiterhin notwendig. Lehrkräfte sind befugt, die Schülerinnen und Schüler zum und vom Schwimmbad zu begleiten, dürfen jedoch nicht beim Umziehen helfen. Das bedeutet, dass die Schulen auf helfende Eltern angewiesen sind, die diese Aufgabe übernehmen. Hinzu kommt, dass Gruppe 3 hinsichtlich Lernstoff und Arbeitsintensität deutlich anspruchsvoller ist als die Gruppen 1 und 2. Der Ausfall von Unterrichtszeit in dieser Gruppe hat daher einen weitaus größeren negativen Einfluss auf die schulischen Leistungen.

Setzt man den Schwimmurlaub bei den jüngsten Schülerinnen und Schülern ein, bleibt der Unterricht in den höheren Klassen ungestört, während die Kinder dennoch die Chance erhalten, auf effiziente Weise schwimmfähig zu werden. Das ist eine Win-win-Situation für die Kinder, die Schwimmbranche und die Grundschule. Dieser Vorschlag wird derzeit untersucht und soll der Zweiten Kammer als Empfehlung vorgelegt werden.

💰 Geld ist nicht das Problem, sondern der Ansatz

Keppel stellt zu Recht fest, dass die Niederlande angesichts des jüngsten Haushaltsüberschusses von 8 Milliarden Euro genügend Geld haben. Doch einfach Geld für eine Verpflichtung bereitzustellen, die die Unterrichtslast erhöht und nicht nachweislich effektiver ist, greift zu kurz. Die Nederlandse Stichting Water- & Zwemveiligheid (NSWZ) betont, dass zunächst die Prioritäten klar gesetzt werden müssen. Schwimmunterricht ist zweifellos eine Priorität, doch bevor hier Geld hineinfließt, müssen erst Forschung und Fachwissen zeigen, wie diese Mittel richtig eingesetzt werden können.

Die NSWZ plädiert dafür, die derzeitigen Förderregelungen und Betriebszuschüsse unter die Lupe zu nehmen, insbesondere bei kommunalen und halbkommerziellen Schwimmbädern, in denen die Gemeinde als Betreiber oder Immobilieneigentümer fungiert. Dadurch können öffentliche Gelder besser eingesetzt werden, um den Schwimmunterricht zu fördern. Darüber hinaus gibt es eine dritte, aber keineswegs unwichtige Gruppe: kommerzielle Schwimmschulen und Schwimmbäder. Diese fallen häufig aus den meisten Förderregelungen heraus und müssen daher sämtliche Kosten, einschließlich steigender Lasten, direkt an die Kunden weitergeben. Das führt zu ungleichen Verhältnissen in der Kostenstruktur des Schwimmunterrichts.

🎯 Fazit

Das Plädoyer für das Schulschwimmen entspringt einer verständlichen Sorge um die Schwimmsicherheit, ist jedoch im Kontext der heutigen Grundschule nicht zu Ende gedacht. Es erfordert einen enormen Zeitaufwand und geht zulasten wesentlicher Fächer. Die NSWZ bietet eine realistischere und flexiblere Alternative, die die Schwimmsicherheit erhöht, ohne den Unterricht zusätzlich zu belasten. Es ist an der Zeit, nicht nur nach Veränderung zu rufen, sondern tatsächlich nach umsetzbaren Lösungen zu suchen.

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Quelle:

Trouw-Artikel vom 7.3.2025: https://www.trouw.nl/sport/verplicht-het-schoolzwemmen-voordat-de-dijken-breken~bac345c3/

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