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Zuschuss für Schwimmkurse in Zutphen: Schöne Initiative, aber für echte Lösungen braucht es einen strukturellen Ansatz

Von Shiva de Winter · 22. Oktober 2024

Ursprünglich auf LinkedIn veröffentlicht am 22. Oktober 2024 · von Shiva de Winter, De WaterExpert.

Eltern in Zutphen, die kein Geld haben, um ihr Kind zum Schwimmkurs zu schicken, können aufatmen. Die Gemeinde übernimmt künftig für Familien mit geringem Einkommen die Kosten, die für den Erwerb der Schwimmdiplome A und B anfallen.

,,Weihnachten steht wieder vor der Tür. Es darf nicht sein, dass Eltern zwischen Geschenken und Schwimmunterricht wählen müssen. Oder zwischen einer Autoreparatur und Schwimmkursen“, sagt Eva Boswinkel, Beigeordnete der Stadt Zutphen.

Sie lässt keinen Zweifel daran: Schwimmen zu können ist in den Niederlanden ein Muss. ,,Gerade in Zutphen. Mit der Berkel und der IJssel haben wir gefährliche Gewässer. Deshalb muss jeder die Schwimmdiplome A und B erwerben können. Das Geld darf dabei kein Hindernis sein.“

Das Schwimmdiplom B umfasst anspruchsvollere Fertigkeiten und Techniken als das Diplom A, wodurch sich Kinder im Wasser besser selbst helfen können. In Zutphen unverzichtbar, betont die Gemeinde.

1500 Familien in Zutphen

Familien, die mit höchstens 130 Prozent des Sozialhilfesatzes auskommen müssen, können ab sofort einen Antrag auf Kostenerstattung stellen. Für einen alleinerziehenden Elternteil entspricht das einem Einkommen von maximal 1700,99 Euro netto pro Monat. Für ein zusammenlebendes oder verheiratetes Paar liegt die Grenze bei 2429,97 Euro.

Der Anspruch gilt rückwirkend ab Beginn dieses Jahres. Der Antrag kann über das Kindloket gestellt werden. ,,Die Armut sei überall zurückgegangen, lesen wir diese Woche. Das liegt vor allem an einer anderen Berechnungsweise. In Zutphen wissen wir es besser“, sagt Boswinkel.

Mindestens 1500 einkommensschwache Familien in Zutphen müssen ihrer Einschätzung nach jeden Tag belastende Entscheidungen treffen. Etwa: Lässt man das eigene Kind zum Schwimmkurs gehen oder nicht?

Mangel an Schwimmlehrern

Bislang bekam ein Teil dieser Eltern bereits die Kosten für das Schwimmdiplom A erstattet. Das galt für Einwohner, die mit höchstens 120 Prozent des Sozialhilfesatzes auskommen müssen. Diese Gruppe wurde nun erweitert, und das Schwimmdiplom B ist hinzugekommen.

Die Kosten für die Erstattung des Schwimmdiploms B belaufen sich laut der Gemeinde Zutphen auf rund 170 Euro pro Kind. Insgesamt rechnet Zutphen mit Ausgaben von 10.000 Euro pro Jahr.

Einen Vorbehalt bringt die Beigeordnete allerdings an. ,,Der Mangel an Schwimmlehrern ist in Zutphen, wie in ganz den Niederlanden, ziemlich groß“, sagt Boswinkel. Die Wartezeit für einen Schwimmkurs in Zutphen beträgt etwa anderthalb Jahre. ,,Wir müssen alles daransetzen, so viele neue Schwimmlehrer wie möglich zu gewinnen.“

Die Lösung: Schwimmunterricht während der Schulzeit

Eine mögliche Antwort auf dieses Problem liegt in einer Idee, die schon länger auf der Agenda steht, aber immer wieder zu wenig Beachtung findet: Schwimmunterricht während der Schulzeit. Das ist nicht dasselbe wie das traditionelle Schulschwimmen, sondern ein Programm, bei dem Kinder in den Klassen 1 und 2, also in jungen Jahren, während ihres Schultags Schwimmunterricht erhalten können. Die Nederlandse Stichting Water- & Zwemveiligheid (NSWZ) hat dies bereits seit einiger Zeit als nachhaltige Lösung für den Personalmangel und die langen Wartelisten vorgeschlagen.

Indem man Schwimmunterricht in jungen Jahren während der Schulzeit einplant, entstünde deutlich mehr Flexibilität in der Tagesstruktur. Kinder könnten etwas später zur Schule gehen oder etwas früher nach Hause, um am Schwimmunterricht teilzunehmen. Das bietet nicht nur eine Lösung für die Wartelisten, sondern sorgt auch dafür, dass Schwimmlehrer tagsüber mehr Stunden arbeiten können. Das macht den Beruf für neue Lehrkräfte attraktiver und kann dazu beitragen, den Personalmangel zu beheben.

Lokaler versus landesweiter Ansatz

Die Initiative Zutphens, Schwimmkurse für Kinder aus einkommensschwachen Familien zu bezuschussen, ist lobenswert, aber sie ist nur ein Pflaster auf einer Wunde. Was wirklich gebraucht wird, ist eine umfassendere, nationale Strategie, die sich den strukturellen Problemen rund um den Schwimmunterricht widmet. Die Einführung von Schwimmunterricht während der Schulzeit erfordert beispielsweise eine Zusammenarbeit auf Landesebene, an der nicht nur Gemeinden, sondern auch Schulen, Schwimmbäder und der Staat beteiligt sind.

Zudem ist es wichtig anzuerkennen, dass nicht nur kommunale Schwimmbäder von einem solchen System profitieren, sondern auch günstige und private Schwimmschulen. Indem man Schwimmunterricht während der Schulzeit ermöglicht, können diese Einrichtungen zu anderen Zeiten Wasserflächen mieten und ihrem Personal mehr Stunden bieten. Das macht den Arbeitsmarkt für Schwimmlehrer attraktiver und kann langfristig dazu beitragen, den Mangel an Lehrkräften zu beheben.

Fazit

Die Initiative der Gemeinde Zutphen, den Schwimmunterricht für Kinder aus einkommensschwachen Familien zu bezuschussen, ist ein Schritt in die richtige Richtung. Dennoch ist es wichtig anzuerkennen, dass damit nur ein Teil des Problems angegangen wurde. Um die Schwimmsicherheit für alle Kinder in den Niederlanden zu gewährleisten, braucht es eine umfassendere, nationale Strategie. Schwimmunterricht während der Schulzeit bietet die Chance, den Personalmangel und die langen Wartelisten strukturiert anzugehen und trägt zugleich zu mehr Schwimmsicherheit bei jungen Kindern bei. Es ist an der Zeit, dieses Thema weiter oben auf die politische Agenda zu setzen.

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