Dies ist eine Reaktion auf die Kolumne von Ingrid Koppelman (Vorstandsmitglied Sport und Bewegung bei der FNV), erschienen auf Zwembadbranche am 12.7.2022.
Link: https://www.zwembadbranche.nl/familiegevoel-en-scheefgroei-de-spagaat-van-de-zwembadmedewerker/
Die Schwimmbadbranche ist gespalten. Nicht Seite an Seite, sondern mit einem kleinen Niemandsland dazwischen. Der Unterschied liegt zwischen öffentlich und privat. Auf der öffentlichen Seite stehen die börsennotierten Branchenpartner, die Schwimmbäder von Kommunen betreiben. Auf der privaten Seite finden sich die Betreiber von Schwimmschulen und die Eigentümer eigener Bäder. Der große Unterschied zwischen beiden: Subventionen – und nach Corona die SPUK IJZ (Specifieke Uitkering ijsbanen en Zwembaden) Regelung.
Schon länger brodelt es in den Reihen der Branche, wenn es um die Zukunftsvision geht. Der öffentliche Sektor steuert gemeinsam mit der Politik auf eine Einheit zu: ein Diplom, ein Team und vor allem Glanz und Gloria unter den Fittichen der Politik in Den Haag. Der private Sektor hingegen leckt noch seine Wunden aus der Corona-Zeit, in der Zehntausende Euro in Rauch aufgegangen sind, Rücklagen und Renten angezapft wurden und fast buchstäblich trockenes Brot auf dem Tisch stand, nur um überhaupt noch unterrichten zu können.
Der private Sektor ist es, der die härtesten Schläge abbekommt. Corona, Energie, Personalmangel und steigende Personalkosten. Hier gibt es keinen Topf, aus dem man schöpfen könnte, um Schäden und Defizite auszugleichen. Wo möglich, werden diese eins zu eins an die Kunden weitergegeben – an die Eltern der Kinder. Diese zahlen für den Schwimmunterricht einen Betrag, in dem alles enthalten ist: Beckenmiete, Gas-Wasser-Strom, Personal, Verwaltung und so weiter. Diese Beträge liegen deutlich höher als bei den öffentlichen Bädern, die über verschiedene Subventionen aufgestockt werden und ihre Corona-Schäden durch Lockdowns dank der SPUK-IJZ-Regelung abfedern konnten.
Die FNV scheint hier noch eins draufzusetzen. Im Blog der FNV-Sport-Frontfrau Ingrid Koppelman wird das Bild gezeichnet, dass sich der hart arbeitende Schwimmschulbetreiber oder Bäder-Eigentümer ohne Subventionen zu leicht aus der Affäre zieht, seinem oder ihrem Personal keine Wertschätzung entgegenbringt und die Mitarbeiter obendrein geringschätzig behandelt, indem er die Erhöhung des Mindestlohns auf der öffentlichen Seite der Branche nicht mitträgt.
Ein Schwimmschulbetreiber oder kommerzieller Bäder-Eigentümer hat sich aus Leidenschaft für seinen oder ihren Beruf entschieden – und aus dem Wunsch heraus, die Welt ein Stück besser zu machen, indem er sein Fachwissen und seine Qualitäten Kindern und Erwachsenen anbietet. Eine Entscheidung, die häufig aus einem Meinungsunterschied mit dem früheren Arbeitsplatz gewachsen ist oder aus der Überzeugung, dass es besser gehen muss. Zudem ist und bleibt die Festlegung des Mindestlohns Sache des Staates und wird nicht vom Markt bestimmt.
Es lässt sich leicht reden, wenn man bei einem großen Betreiber oder einer Kommune angestellt ist und Subventionsgelder bereitstehen, um etwaige Defizite und Wachstum aufzufangen. Sollte die Subvention durch unvorhergesehene Umstände einmal nicht ausreichen, kann einfach eine zusätzliche beantragt werden. Der Standpunkt der FNV ist deshalb geradezu absurd. Er lautet: „Unser Standpunkt ist klar: Kalkuliert zuerst das Personal ein. Gutes und fähiges Personal ist von großem Wert für das Schwimmbad und die gesamte Branche. Die Menschen, die für dich das Geld verdienen, sind kein Restposten – sie sind das schlagende Herz deines Betriebs.“ Aber natürlich weiß jeder kommerzielle Eigentümer, wie wichtig gutes Personal ist, und möchte diesem seine Wertschätzung durchaus zeigen. Nur sind diese Betriebe an einen Endverbraucher gebunden – und das sind die Eltern, die den Schwimmunterricht bezahlen müssen.
Um einen Einblick in das Wie und Warum bei den Gehältern zu geben, hier ein Beispiel aus der Praxis. Eine Schwimmschule richtet ihre Gehälter derzeit nach dem CAO-Schwimmbäder 2021. Darin ist bereits ein Aufschlag enthalten, weil der Mindestlohn eben doch etwas zu wenig Wertschätzung ausdrückt. Betrachtet man die Forderung der FNV, die Mindestlöhne auf 14 Euro anzuheben, so wird die Lohnsumme um 30 bis 40 % steigen. Hinzu kommt der von der FNV beworbene CAO-Schwimmbäder, bei dem die verpflichtende Teilnahme an einem Pensionsfonds vorgeschrieben ist, der einen sehr hohen Prozentsatz verlangt. Rechnen Sie also noch einmal 15 % zusätzlich auf die gesamte Lohnsumme. Das muss irgendwo bezahlt werden und wird folglich auf die Eltern umgelegt werden müssen. Dafür ist im Durchschnitt eine Steigerung der Kosten für den Schwimmunterricht von 10 bis 15 % nötig. Nach dem explosiven Anstieg der Energiekosten haben viele Bäder und Schwimmschulen ihre Preise bereits um bis zu 10 % erhöht. Kurz gesagt würde das bedeuten, dass ein Schwimmdiplom bei den kommerziellen Anbietern 25 % teurer wird.
Was der FNV vorzuwerfen ist, ist vor allem Aufwiegelung. Hört zuerst bei den kommerziellen Schwimmschulen zu, bevor Schlüsse gezogen werden, die überhaupt nicht der Wahrheit entsprechen können. Subjektive Annahmen, die nur Unruhe stiften in einer Branche, die ohnehin schon in Flammen steht. Sucht das Gespräch und versetzt euch auch einmal in die Lage der „Gegenseite“.
Abgesehen davon, dass Personal – unter anderem wegen seiner hohen Verantwortung, Kinder schwimmfähig zu machen – gut entlohnt werden muss, darf dies nicht zulasten derer gehen, um die es wirklich geht: die Kinder, deren Eltern den Schwimmunterricht bald nicht mehr bezahlen können.
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