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Schwimmsicherheit in den Niederlanden? Ein trügerisches Gefühl von Sicherheit – leider mit mitunter tödlichen Folgen

Von Shiva de Winter · 1. Mai 2025

Ursprünglich auf LinkedIn veröffentlicht am 1. Mai 2025 · von Shiva de Winter, De WaterExpert.

Die Sonne bricht durch, die Badesaison im Naturgewässer ist offiziell eröffnet, und Tausende Menschen strömen zu Seen, Weihern und Stränden. Das klingt nach unbeschwertem Sommervergnügen – doch wer sich mit der Realität unserer Schwimmsicherheit befasst, weiß, dass wir mit dem Feuer spielen.

Was sich an einem sommerlichen Nachmittag am Wasser abspielt, ist oft kein sorgloses Picknick, sondern eine Risikosituation voller Missverständnisse, Selbstüberschätzung und mangelhafter Vorbereitung. Nicht, weil die Menschen es nicht gut meinen – sondern weil wir ihnen nicht das richtige Wissen, die nötigen Fähigkeiten und die notwendigen Warnungen mitgeben.

„Niederländer sind gut im gemütlichen Plantschen, aber wirklich schwimmfähig im offenen Wasser? Das sind viele nicht. Erst recht nicht unter unerwarteten Bedingungen wie Kälte, Strömung oder Trübung. Und genau das sind die Umstände, unter denen es schiefgeht.“ – Shiva de Winter, Schwimmunternehmerin & Vorsitzende NSWZ


Offenes Gewässer ist kein Schwimmbad. Und das vergessen wir.

Naturgewässer ist kalt – gerade im Frühling. Die Temperatur kann noch trügerisch niedrig sein, was zu einer Cold-Shock-Response führen kann: unkontrollierte Atmung, Panik und Verlust der motorischen Kontrolle. In diesem Zustand hilft dir kein A- oder B-Schwimmabzeichen weiter. Hinzu kommt, dass viele Badeseen über keine active lifeguard supervision verfügen – oder nur über eine sehr begrenzte.

Und trotzdem steigen Menschen, oft mit (falscher) Selbstsicherheit, ins Wasser. Kinder ohne direkte elterliche Aufsicht. Jugendliche, die von einer Brücke springen. Freundesgruppen mit einem Getränk in der Hand.

„Im offenen Wasser ist kein Platz für Übermut. Kein Lifeguard, der alles sieht. Kein Boden, den du berührst. Keine Wand, an der du dich festhalten kannst. Wenn es schiefgeht, endet es oft tödlich.“ – Shiva de Winter


Zu wenig Vorbereitung, zu viele Annahmen

Ein häufiges Problem: Eltern, die glauben, ihr Kind könne „gut schwimmen“, weil es im Schwimmbad seine Abzeichen gemacht hat. Doch Schwimmen im Naturgewässer verlangt mehr als ein wenig Brustschwimmen in einem beheizten Becken. Tiefe, Sicht, Temperatur und unerwartete Situationen machen das Freigewässer weitaus komplexer und gefährlicher.

Zudem gibt es in den Niederlanden eine wachsende Gruppe von Menschen – darunter Jugendliche mit ausländischem Hintergrund oder Arbeitsmigranten –, die nicht mit dem selbstverständlichen Umgang mit Wasser aufgewachsen sind. Sie kennen die Risiken weniger gut und werden darüber unzureichend aufgeklärt. Trotz einiger guter Initiativen (wie den informativen Schwimmvideos des COA) fehlt ein struktureller Ansatz.

„Jeder, der in den Niederlanden lebt, muss Zugang zu klarer, kultursensibler und sprachspezifischer Aufklärung über Wassersicherheit haben. Nicht gelegentlich. Sondern strukturell.“ – Shiva de Winter


Wo bleibt die Dringlichkeit? Auch beim CBS fehlt sie.

Was das Ganze noch bedrückender macht: Wir erhalten die offiziellen Zahlen zu Ertrinkungsfällen vom CBS jedes Jahr erst am 25. Juli – dem World Drowning Prevention Day. Also genau mitten im Sommer. Viel zu spät, um gezielt Maßnahmen zu entwickeln, Präventionskampagnen anzupassen oder Lehren aus der vergangenen Saison zu ziehen.

Diese Kritik wurde wiederholt geäußert, doch das CBS weigert sich bislang, diese Daten früher im Jahr freizugeben. Damit nehmen wir uns selbst die Chance, rechtzeitig zu lernen und zu reagieren. Warum sollte man mit entscheidenden, lebensrettenden Erkenntnissen warten, wenn man weiß, dass die Risiken bereits im Mai und Juni ihren Höhepunkt erreichen?

„Ertrinken ist keine Saisonstatistik, sondern ein jährlich wiederkehrendes gesellschaftliches Risiko. Und solange wir Zahlen als ‚Nachträgliches‘ betrachten, wiederholen wir immer wieder dieselben Fehler.“ – Shiva de Winter


Was muss sich wirklich ändern?

  1. Strukturelle und aktuelle Kommunikation zur Schwimmsicherheit. Nicht nur, wenn es warm wird, sondern das ganze Jahr über. Inklusive Praxisunterricht, erfahrungsorientierter Bildung und Elternschulung.

  2. Frühzeitige, offene Daten zu Ertrinkungsfällen. Die Zahlen müssen vor der Saison verfügbar sein. Analyse und Handeln gehören zusammen.

  3. Bildung, die über das Schwimmbad hinausblickt. Jedes Kind muss lernen, was Schwimmen im Naturgewässer wirklich bedeutet – einschließlich Risiken und Verhalten.

  4. Gezielte Aufklärung für Risikogruppen. In mehreren Sprachen, in Schulen, in Aufnahmezentren, bei Arbeitgebern, über Influencer – abgestimmt auf Kultur, Wahrnehmung und Kontext.


Schwimmsicherheit darf keine Nebensache sein

Dies sei ein Appell an politische Entscheidungsträger, Eltern, Lehrkräfte, Sportvereine und das CBS: Nehmt die Realität des offenen Wassers ernst. Sorgt dafür, dass Menschen wissen, was sie tun – bevor es schiefgeht. Und gebt Fachleuten und Organisationen den Raum, die Mittel und die Informationen, um dies gut umsetzen zu können.

Denn jedes Leben, das verloren geht, obwohl wir es hätten verhindern können, ist eines zu viel.

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