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Dauert der Schwimmunterricht zu lange? Was Sie in der Studie hinter der Schlagzeile NICHT lesen

Von Shiva de Winter · 7. Juni 2025

Ursprünglich auf LinkedIn veröffentlicht am 7. Juni 2025 · von Shiva de Winter, De WaterExpert.

In den vergangenen Tagen ist in verschiedenen Medien – darunter auch Elternplattformen – ein Artikel erschienen, in dem suggeriert wird, dass Kinder in den Niederlanden viel zu lange für ihr Schwimmabzeichen brauchen. Die Quelle? Eine kleine Studie, in der weniger als 30 Kinder begleitet wurden, um zu messen, ob eine vorangehende motorische Förderung (Rollen, Robben) zu einer schnelleren Schwimmentwicklung führt.

Der Ansatz ist innovativ und das Thema relevant. Doch die Art und Weise, wie die Ergebnisse interpretiert und verbreitet werden, wirft grundlegende Fragen auf.

📄 Studienartikel: 👉 Leren kinderen beter zwemmen door te rollen en te tijgeren? (Sport & Strategie)

📰 In den Medien aufgegriffen: 👉 Onderzoek: kinderen halen sneller hun zwemdiploma als ze leren tijgeren (KekMama)


🎓 Eine zu schmale Basis für große Schlussfolgerungen

Als Vorsitzender der Nederlandse Stichting Water- & Zwemveiligheid (NSWZ) und als engagierter Fachmann im Schwimmunterricht möchte ich zu dieser Berichterstattung eine wichtige Anmerkung machen:

➡️ Eine Stichprobe von unter 30 Kindern reicht nicht aus, um Aussagen über die Wirksamkeit des Schwimmunterrichts in den Niederlanden zu treffen.

➡️ Es wird nicht zwischen den Anbietern unterschieden: kommunale Schwimmbäder, Schwimmschulen, Vereine oder Sportbetriebe arbeiten mit ganz unterschiedlichen Methoden.

➡️ Unterrichtshäufigkeit, Gruppengröße, individuelle Betreuung und Anwesenheit fließen nicht in die Analyse ein – dabei sind gerade diese Faktoren entscheidend für den Fortschritt.

Ohne diesen Zusammenhang bleiben die Schlussfolgerungen unvollständig, und es entsteht ein verzerrtes Bild davon, wie der Schwimmunterricht in den Niederlanden tatsächlich funktioniert.


🏊‍♂️ Die Praxis ist viel breiter (und oft effizienter)

In der Praxis sehen wir große Unterschiede darin, wie der Schwimmunterricht organisiert ist:

Manche Anbieter arbeiten mit kleinen Gruppen und Betreuung im Wasser, was für eine sichere, persönliche und effiziente Lernumgebung sorgt. Dort wird das A-Diplom oft innerhalb von 35 bis 45 Unterrichtseinheiten à 45 Minuten erreicht – vorausgesetzt, es besteht Kontinuität.

  • Andere Anbieter entscheiden sich bewusst für größere Gruppen und längere Kurswege, mit viel Wiederholung oder nur einer Einheit pro Woche. Auch das ist eine pädagogische Entscheidung – erfordert aber ein anderes Erwartungsbild.

  • Daneben gibt es Einrichtungen, die aus pädagogischen Erwägungen den Kursweg stärker strecken, etwa für Kinder mit besonderem Unterstützungsbedarf.

  • Kurz gesagt: Der Schwimmunterricht ist keine einheitliche Praxis. Jeder Anbieter trifft Entscheidungen, die zu seiner Zielgruppe und Methodik passen.


    📣 Medienaufmerksamkeit ohne Nuancen wirkt polarisierend

    Was das Problem verschärft: Populäre Websites und Elternplattformen übernehmen die Studie ohne kritischen Kontext. Die Botschaft „Schwimmunterricht dauert viel zu lange“ klingt hart, funktioniert gut – ist aber unvollständig und irreführend.

    Das führt zu:

    Verunsicherung bei Eltern, die sich fragen, ob ihr Kind wirklich gut unterrichtet wird

  • Druck auf die Lehrkräfte, den Prozess zu beschleunigen, mitunter auf Kosten der Sicherheit

  • Schwindendem Vertrauen in eine Branche, die gerade an einer strukturellen Qualitätsverbesserung arbeitet

  • Schwimmsicherheit ist kein „One-size-fits-all“-Prozess. Sie erfordert individuelle Lösungen, Begleitung und manchmal auch Geduld. Gut schwimmen zu lernen ist kein Sprint, sondern eine solide Investition in lebensrettende Fähigkeiten.


    📊 Appell für Sorgfalt in Forschung und Kommunikation

    Als Branche sind wir offen für Innovation und neue Erkenntnisse. Doch wir müssen uns auch vor schnellen Schlussfolgerungen ohne breite Grundlage hüten. Deshalb rufe ich sowohl Forschende als auch Medien auf zu:

    ✔️ Mehr Aufmerksamkeit für Repräsentativität und Segmentierung im Studiendesign

    ✔️ Transparenz über den Kontext (Anbieter, Unterrichtsform, Unterrichtsdauer, Gruppengröße)

    ✔️ Sorgfältiger Kommunikation gegenüber Eltern und der breiten Öffentlichkeit

    Die Debatte über den Schwimmunterricht verdient Tiefgang. Nicht, weil wir uns verteidigen wollen, sondern weil wir besser werden wollen – gemeinsam und mit Respekt vor allen Fachkräften in diesem Bereich.

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