Reaktion auf den Artikel in „de Ondernemer": ‚Junge Arbeitnehmer haben weniger Herzblut für den Betrieb' https://www.deondernemer.nl/personeel/werk-privebalans-jonge-werknemers-werkgevers-onderzoek-ipsos-io~91e02846
📍 von Shiva de Winter – Vorsitzende NSWZ, Expertin für Schwimmsicherheit und Schwimmschul-Unternehmerin
Die jüngsten Generationen wollen Flexibilität. Arbeitgeber wollen Wachstum. Und dazwischen knirscht es.
Im AD erschien diese Woche ein Artikel über den Generationenkonflikt auf dem Arbeitsmarkt. Junge Menschen suchen Sinn, Freiheit und Balance. Arbeitgeber wollen Engagement, Hingabe und Verantwortung. Der Zusammenprall ist spürbar – auch in unserem Fachgebiet: dem Schwimmunterricht.
Und genau dort ist dieser Zusammenprall geradezu gefährlich.
Denn während wir untereinander über Arbeitsfreude und Selbstentfaltung diskutieren, liegt im Schwimmbad ein Kind. Ein Kind, das überleben lernen muss. Ein Kind, das den Unterschied zwischen Treiben und Ertrinken noch nicht kennt. Ein Kind, das – wie jung auch immer – vollständig auf das Können, die Wachsamkeit und die Aufmerksamkeit dessen angewiesen ist, der vor der Gruppe steht.
Schwimmunterricht verlangt Vakmanschap, keine Bequemlichkeit
Vor einigen Wochen schrieb ich bereits:
„Schwimmlehrer zu sein ist kein Nebenjob. Kein Zwischenjahr-Projekt. Kein Flexi-Auftrag. Es ist ein Beruf. Ein Beruf, den man mit nassen Füßen, offenen Augen und voller Konzentration auf das Kind im Wasser lernt."
Und doch scheint der gesellschaftliche Trend – bei dem die jüngere Generation alles ‚fühlen', ausbalancieren und dosieren muss – auch in den Schwimmunterricht durchzusickern. Wir sehen es an abgespeckten Ausbildungen, an Praktika, die sich vor allem an Systemen orientieren statt an Kindern, und an einem Abfluss junger Instrukteure, die den Beruf nie wirklich gelernt haben.
Und ich verstehe es ja. Der Ruf nach Work-Life-Balance, mentalem Freiraum und Sinnhaftigkeit ist aufrichtig. Aber in manchen Berufen dreht sich alles nicht um dich. Es dreht sich um den anderen.
Im Schwimmunterricht ist das buchstäblich lebenswichtig.
Was, wenn das Verantwortungsgefühl verdampft?
De Ondernemer stellt zu Recht fest, dass der junge Arbeitnehmer ‚weniger Herzblut für den Betrieb' zu haben scheint, zumindest in den Augen des Arbeitgebers. Im Schwimmunterricht ist das kein HR-Problem, sondern ein gesellschaftliches Risiko.
Wenn wir junge Instrukteure weiterhin so behandeln, als sei Schwimmunterricht eine Lückenfüller-Aufgabe – etwas, das man nebenbei macht, bis die ‚eigentliche Arbeit' beginnt – dann graben wir eine Grube, in die künftig kein Profi mehr einsteigt. Dann werden Kinder im Wasser von Nebenjob-Studenten begleitet, die lieber online als wirklich anwesend sind, und für die Überstunden oder zusätzlicher Einsatz schnell zu viel verlangt sind. Dann verschwindet das Wesen unseres Berufs: das Ausbilden zur Sicherheit.
Das Kind steht im Mittelpunkt – nicht das Format, nicht die Generation
Was wir brauchen?
Ausbildungen, die sich auf die Praxis konzentrieren, nicht auf PowerPoints und Online-Meetings.
Praktikumsplätze, bei denen der Inhalt im Mittelpunkt steht – nicht das Abhaken einer Liste. Nicht nur bei Anbietern, die ‚nach Vorschrift' arbeiten, sondern gerade auch bei Schwimmschulen, die individuelle Aufmerksamkeit und Begleitung an erste Stelle setzen. Dort lernt man den Beruf so, wie er gemeint ist.
Eine Neubewertung des Berufs als lebensrettend und essenziell.
Denn beim Schwimmunterricht geht es nicht um Generationenunterschiede. Beim Schwimmunterricht geht es um Kinder. Und Kinder haben nichts übrig für Work-Life-Balance oder sinnstiftende Arbeit. Sie müssen sicher werden. Punkt.
Also, an alle jungen Arbeitssuchenden, Ausbilder und Entscheidungsträger:
Wenn ihr wirklich etwas bewirken wollt, dann wählt einen Beruf, in dem ihr jeden Tag Leben verändert. Wo ihr nicht für Likes oder eine ‚sinnvolle Berufserfahrung' arbeitet, sondern weil eure Anwesenheit den Unterschied ausmacht zwischen Angst und Vertrauen, zwischen Ohnmacht und Überleben.
Nach 29 Jahren Schwimmunterricht – davon 14 Jahre als Bademeisterin in einem Waldbad – habe ich alles miterlebt. Ich stand am Wasser, als die ersten Anzeichen von Bequemlichkeit sichtbar wurden: junge Leute, die lieber am Zaun hingen als wirklich aufzupassen, für die Ausstrahlung und Sonnenbaden wichtiger waren als Sicherheit. Damals begann der Verfall. Und jetzt droht er sich fortzusetzen.
Was ich immer sage: 👉 Du kannst unterrichten, oder du kannst es nicht. Das lernt man nicht aus einem Buch. Das steckt in deiner Haltung, deinem Gespür, deiner Verantwortung. In der Fähigkeit, vorauszudenken statt abzuwarten.
Schwimmlehrer wirst du nicht für dich selbst. Du machst es für den anderen. Für das Kind, das dich in diesem Moment vollständig braucht. Für die Eltern, die dir ihr Vertrauen schenken. Für eine Gesellschaft, die sicher bleiben muss in einem Land voller Wasser.
Denn Schwimmunterricht ist kein Trend. Er ist eine Notwendigkeit. Und das verlangt Menschen mit Herz für den Beruf – nicht einen Dienstplan, der in deine Lebensphase passt, sondern eine Berufung, die größer ist als du selbst.
- Schwimmunterricht raus aus der Gefahrenzone: Wie wir den Beruf wieder unwiderstehlich machen2025-02-26
- Meine Leidenschaft für den Schwimmunterricht: Die Geschichte hinter der Schwimmschule De Winter Sport2024-08-10
- Wer will noch freiwillig Bademeisterin oder Bademeister sein? \"Es ist langweilig und ermüdend\", so die Tageszeitung Trouw – meine Erfahrung im Baarns Bosbad 🌊2024-07-29
- KNZB düpiert hart arbeitende Freiwillige und buhlt um gleiche oder höhere Fördermittel2021-08-03
Vertiefende Expertenartikel in der Wissensdatenbank ansehen →